Embodiment

Embodiment- was ist das eigentlich?

Willkommen auf deiner Reise durch die Welt des Embodiments - eine Reise, die dich nicht nur durch die Tiefen deiner Gedanken, sondern auch durch die Empfindungen deines Körpers führt. Als jemand, der selbst den schmerzhaften Weg des Traumas gegangen ist, habe ich gelernt, dass Heilung mehr als Worte erfordert. Heilung erfordert deine sanfte, aber tiefe Rückkehr bin deinen eigenen Körper - ein Prozess, den ich "Embodiment" nenne und den ich gerne mit dir teilen möchte.

Was ist Embodiment?

Traumasensibles Embodiment ist mehr als nur eine Praxis - es ist ein liebevoller Dialog mit deinem Körper, den du vielleicht jahrelang hast verstummen lassen. Es
basiert auf der Erkenntnis, dass sich Traumata nicht nur im Verstand, sondern auch im körperlichen Erleben manifestieren und unser Wohlbefinden auf tiefgreifende Weise beeinträchtigen können. In diesem Zustand der Dissoziation verlieren wir oft den Kontakt zu unserem physischen Selbst, was sich in einer Reihe von körperlichen und emotionalen Symptomen äußern kann.  Traumasensibles Embodiment stellt sich der Herausforderung, diesen Kontakt wiederherzustellen, indem eine sichere und unterstützende Umgebung geschaffen wird, in der du lernen kannst, deinen Körper wieder zu spüren und zu bewohnen. Es geht darum, die Signale des Körpers zu erkennen, anzuerkennen und ihnen zu erlauben, sich auszudrücken - sei es durch Zittern, Wärme, Kälte oder Bewegung. Diese Art der Körperarbeit respektiert Grenzen und zielt darauf ab, eigene Ressourcen und Resilienz zu entdecken und zu stärken. Ein wesentlicher Aspekt des Embodiments ist die achtsame Bewegung. Sie hilft dir, deinen Körper in einem sicheren Rahmen zu erforschen und alte, festgefahrene Muster zu lösen. Durch Techniken wie bewusste Atmung, gezielte Körperwahrnehmungsübungen und sanfte Berührung wird die Verbindung zwischen Körper und Geist gestärkt. So kann sich ein Gefühl der Präsenz und des Angenommenseins im eigenen Körper entwickeln, das für viele Menschen
nach einem Trauma so schwer zu erreichen ist. Darüber hinaus integriert traumasensibles Embodiment Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der Psychotraumatologie. Es berücksichtigt, wie Trauma das Nervensystem beeinflusst und wie Körperarbeit dazu beitragen kann, das Nervensystem zu regulieren und wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies beinhaltet oft die Arbeit mit dem so genannten "eingefrorenen" Zustand - ein Zustand, in dem
der Körper aufgrund der Überwältigung in einer Art Schockzustand
verharrt. Dieser Ansatz ist tief verwurzelt in dem Verständnis, dass Heilung
ein integrativer Prozess ist, der den ganzen Menschen - Geist, Körper und Seele - einbezieht. Durch die Kombination von Bewegung, Atmung und bewusster Wahrnehmung unterstützt Embodiment Menschen dabei, ein Gefühl von Autonomie und Kontrolle über ihren eigenen Heilungsprozess wiederzuerlangen. In meiner Arbeit ist Embodiment also eine Methode, die nicht nur Heilung ermöglicht, sondern auch Transformation einleitet. Es ist ein Weg, der behutsam und mit großer Achtsamkeit beschritten wird, wobei jeder Schritt zu einem erfüllteren und verbundeneren Leben führt.

Meine ganz persönliche Geschichte:

Jahrelang saß ich in den stillen Räumen therapeutischer Praxen, überquerte den Ozean der Worte und tauchte tief in die Tiefen meines Geistes ein. Ich entwickelte ein akademisches Verständnis meiner Probleme, kannte jedes Detail meiner Geschichte und hatte alle kognitiven Erklärungen für meine traumatischen Erfahrungen parat. Ich verstand Ursache und Wirkung, konnte Verhaltensmuster erkennen und die Gründe für meine emotionalen Reaktionen benennen. Aber eine
spürbare Veränderung trat nicht ein. Mein Verstand war mit Wissen gesättigt, aber mein Herz und mein Körper sehnten sich nach wirklicher Befreiung. Es war ein Zustand des Zwielichts - des Verstehens, aber nicht des Fühlens. Die Wende kam, als ich mich dem Embodiment zuwandte. Erst als ich begann, meinen Körper nicht nur als Zeugen, sondern als aktiven Teilnehmer auf meiner Reise zur Heilung zu sehen, begann sich etwas zu verändern. Ich lernte, dass das Trauma nicht nur in meinen Gedanken lebte, sondern auch in den stillen Winkeln meiner
körperlichen Existenz - in jeder Anspannung, in jedem zurückgehaltenen Atemzug. Mit sanften, achtsamen Bewegungen, tiefen, bewussten Atemzügen und dem mutigen Schritt, wieder zu fühlen, was ich jahrelang vermieden
hatte, begann ich, den Weg der Heilung nicht nur zu verstehen, sondern auch zu gehen. Ich habe entdeckt, dass körperliche Erfahrung nicht durch kognitives Verstehen ersetzt werden kann - dass der Körper seine eigene Sprache spricht und dass Heilung manchmal eher flüstert als spricht. Embodiment wurde für mich zur Brücke zwischen Verstehen und Fühlen. Die tägliche Praxis des Bewohnens und bewussten Erlebens meines Körpers führte mich an einen neuen Ort des inneren Friedens. Ich spürte, wie sich alte Panzerungen lösten, wie Raum für Neues entstand. Das war der Beginn einer wirklichen Veränderung, die sich nicht nur in meinem Geist, sondern in jeder Zelle meines Körpers manifestierte.

Wie gehts weiter:

Diese Blogserie wird dich durch die verschiedenen Facetten des Embodiments führen. Ich werde die Methoden und Techniken erforschen, die nicht nur mir, sondern auch vielen anderen geholfen haben, ein Gefühl von Sicherheit und Stärke in ihrem eigenen Körper wiederzuentdecken.

Embodiment ist ein Konzept, das so einfach und doch so tiefgründig ist - es berührt die Essenz dessen, wer wir sind und wie wir heilen. Im nächsten Artikel wende ich michdem wissenschaftlichen Hintergrund von Trauma und Körperarbeit zu. Ich lade dich ein, dabei zu bleiben! 

 

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