Dies und Das

Verkörperung der Energien: Mein Weg zu Yin und Yang

Haare kurz oder lang? Für viele mag diese Frage banal klingen, aber für mich war sie jahrelang ein Symbol für meinen Kampf mit meiner Weiblichkeit. Ich fühlte mich in eine Schublade gesteckt, in eine Rolle gedrängt, die nicht meiner wahren Natur entsprach. Ein Körper mit weiblichen Geschlechtsorganen, aber voller Yang-Energie, die mich antrieb und herausforderte.

Mein Weg begann damit, dass ich mich in einer Welt wiederfand, die stark in männliche und weibliche Kategorien unterteilt war. Ich wurde mit Erwartungen und Normen konfrontiert, die von mir verlangten, mich in diese vorgefertigten Rollen einzufügen. Als Frau sollte ich bestimmte Eigenschaften haben, mich auf eine bestimmte Art kleiden und verhalten. Aber all das fühlte sich für mich nicht authentisch an.

Ich experimentierte mit meinem Aussehen, vor allem mit der Länge meiner Haare. Mal trug ich sie kurz, um meine innere Yang-Energie auszudrücken, mal ließ ich sie wachsen, um mich in eine vermeintlich weiblichere Rolle zu zwängen. Es war ein ständiger Kampf zwischen dem, was von mir erwartet wurde, und dem, was ich wirklich fühlte.

Mit der Zeit begann ich jedoch, diese dualistische Denkweise in Frage zu stellen. Warum sollte ich mich in männlich oder weiblich einteilen lassen? Warum sollte ich meine Energie in Schubladen stecken, die nicht zu mir passten? Ich begann, die Ideen von Yin und Yang zu erforschen, nicht als Geschlechterkategorien, sondern als grundlegende Konzepte der chinesischen Philosophie, die die dualistische Natur der Existenz repräsentieren.

Yin und Yang werden oft als gegensätzliche, aber komplementäre Kräfte dargestellt, die miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Yin wird mit Eigenschaften wie Dunkelheit, Passivität, Kälte und Weiblichkeit in Verbindung gebracht, während Yang mit Eigenschaften wie Licht, Aktivität, Wärme und Männlichkeit assoziiert wird. Diese Energien befinden sich in einem ständigen Gleichgewicht und Fluss.

Für mich war das Konzept von Yin und Yang ein Durchbruch. Ich erkannte, dass diese Energien nicht an ein Geschlecht gebunden sind. Sie waren Teil meiner menschlichen Natur, und es war an der Zeit, sie uneingeschränkt zu akzeptieren und zu leben.

Mit dieser Erkenntnis hörte ich auf, mich in männlich oder weiblich zu denken. Ich hörte auf, mich in Schubladen zu zwängen, die nicht zu mir passten. Stattdessen begann ich, meine Energie in einem natürlichen Gleichgewicht zu leben, ohne mich von gesellschaftlichen Normen beeinflussen zu lassen.

Mein Weg zu den Energien von Yin und Yang hat mir geholfen, meine Weiblichkeit auf meine Weise zu leben, ohne mich von äußeren Erwartungen einschränken zu lassen. Ich habe gelernt, mich so anzunehmen und zu lieben, wie ich bin. Und ich merke, dass ich immer noch auf diesem Weg bin, mich von Rollenklischees zu befreien, immer wieder.

Yin und Yang bieten einen Rahmen für das Verständnis der dynamischen Natur des Universums, des Zusammenspiels gegensätzlicher Kräfte und der Bedeutung des Gleichgewichts in allen Lebensbereichen. Sie sind keine abstrakten Konzepte, sondern haben praktische Anwendungen in der chinesischen Kultur und in traditionellen Praktiken. Ebenso spiegeln sie die Vielfalt und die innere Energie wider, die in jedem von uns steckt, unabhängig von Geschlecht und gesellschaftlichen Erwartungen.

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1 Kommentar

Bianka

Bianka

Liebe Soona,

danke für diese inspirierenden Gedanken zu diesem Thema, das mich selbst auch schon lange beschäftigt. Als große Frau mit knapp 1,90m und “großen” Füßen hat die Kleidungsindustrie mich jahrelang sowieso eher in die Männerabteilung bewegt, denn mir passte einfach nix. Immer wieder die Enttäuschung, wenn ich aus einem Kleidunggeschäft ging und mir nix passte. Doch unisex Kleidung und später dann endlich Mode für lange Damen, hat mich “gerettet”.
Doch schon immer mochte ich beide Kleidungsstile -feminin und maskulin. Mir sagte mal jemand, wie toll es ist, dass ich so wandelbar bin.
Und besonders deine Fotocollage auf Instagram löste bei mir wieder was aus: Ich hab viel mit meinen Haaren ausprobiert, fühle mich jetzt mit Dreads und Undercut in meiner Naturhaarfarbe endlich wohl. Aber wie oft saß immer mal wieder da und wollte am liebsten alles abrasieren – egal, welche Frisur ich trug.. doch es würde mir nicht so stehen, wie beispielsweise Dir.
Ich kann jedenfalls sagen: So viel, wie ich mich früher um mein Äußeres und die Kleidung scherte, denke ich heute nicht mehr drüber nach. Es kommt Ruhe rein. :)

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